Rathaus Sandau
Richtfest für das heute stehende Rathaus wurde am 18. Dezember 1714 gefeiert. Das vorherige Rathaus war beim großen Stadtbrand 1695 bis auf das Kellergewölbe in Schutt und Asche gefallen.
Der Zweite Weltkrieg hat 80% der Stadt Sandau (Elbe) zerstört. Nicht aber das Rathaus. Die Sandauer sind sehr stolz auf die noch existierenden baulichen Zeitzeugen in ihrer Stadt. Das Barocke Rathaus, die Romanische Kirche, das Kaiserliche Postamt - diese besonderen Denkmale liegen direkt an der Bundesstraße und dem Elberadweg und sind somit auch Aushängeschild für alle Durchreisenden, Radwanderer und kulturinteressierte Touristen.
Das wohl älteste Mansarddach
Vor über 300 Jahren wurde das Rathaus in Sandau mit seinem Mansarddach gebaut. Francois Mansart und sein Großneffe Jules Hurdin-Mansart sind die Namensgeber für diese besondere Bauform von Dächern. Aber ein anderer Architekt, Pierre Lescot gilt als Erfinder. Er ließ bereits im 16. Jahrhundert den Südwestflügel des Louvre in Paris nach seinen Vorstellungen erbauen.
Das prägnante Mansardwalmdach des Sandauer Rathauses ist eines der ältesten Mansarddächer Deutschlands, wenn nicht das älteste überhaupt. Mit dieser Bauweise wurden damals Steuern gespart. Denn die zu zahlenden Steuern wurden nach der Anzahl der gebauten Vollgeschosse erhoben. Der Ausbau eines Mansarddaches kann ohne erhebliche Dachschrägen erfolgen und damit fast komplett genutzt werden - ohne dafür Steuern zu zahlen.
Geschichtliche Bedeutung für die Region
Das Sandauer Rathaus trägt Elemente verschiedener bedeutender Bauwerke und Epochen. Unterschiedliche Herrscher unterstrichen mit ihrer Unterstützung beim Bau des Rathauses die geografische Bedeutung von Sandau als Elbfährstadt.
Sandau war zur damaligen Zeit eine gut befestigte Stadt mit Stadtmauer und drei Stadttoren und sein Rathaus entstand als ein prägnantes Gebäude an einem neuralgischen Punkt zwischen Altmark und Neumark.
Unter dem von 1713 - 1718 errichteten Rathaus befinden sich noch sehr gut erhaltende Kellerräume mit Gewölbedecke. Datiert werden diese zum ersten dort gebauten Rathaus aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und wurden 1914 als Gerichtsgefängnis genutzt. Bis 1952 war das Rathaus gleichzeitig ein Gerichtsstandort.
Im mehrstöckigen, frühbarocken Fachwerkbau des Sandauer Rathaus spiegeln sich der Baustil der prunkvollen Regierungsgebäude in Magdeburg und der Franckeschen Stiftungen in Halle wider. Das war u. a. durch die Förderung des Preußenkönigs Friedrich I möglich, der Sandau eine strategisch wichtige Rolle für Brandenburg beimaß.
Immer wieder wurde das Rathaus durch Brände zerstört oder durch Kämpfe in der Stadt beschädigt. So mussten auch die Süd- und Westfassade 1870 erneuert werden. Das erfolgte im Stil des späten Klassizismus.

